Angesichts eines weltweit steigenden Logistikaufkommens sind wir an vielen Stellen gefordert, Möglichkeiten zur CO2-Reduktion entlang der gesamten Logistikkette zu finden, um das Klima unseres Planeten zu schützen. Unser Fokus liegt verstärkt auf der Letzen Meile – einem hoch komplexen Spannungsfeld. Wir haben bereits eine Reihe an Maßnahmen entwickelt, mit denen wir unseren CO2-Fußabdruck verringern. Derzeit arbeitet Hermes Germany beispielsweise intensiv an der Vollendung seines Ziels bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025/26 in 80 großen deutschen Innenstädten ohne den lokalen Ausstoß von CO2-Emissionen zuzustellen.
Der Paketlogistiker richtet die Transformation hin zu einer lokal emissionsfreien Zustellung vor allem auf den Einsatz von Elektrofahrzeugen aus und ergänzt diesen Ansatz in urbanen Gebieten durch den Einsatz von Cargo-Bikes. Damit verfolgt das Unternehmen konsequent die eigenen Klimaziele im Rahmen der Science Based Targets Initiative (SBTi) und leistet einen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen im urbanen Raum. Diese Strategie erfordert jedoch tiefgreifende Anpassungen. Neben der Auswahl geeigneter Fahrzeuge ist eine flächendeckende Ladeinfrastruktur notwendig. Beim Einsatz von Lastenrädern entstehen zusätzliche Herausforderungen: Es braucht zentrale Mikrodepots - kleine Umschlagplätze für Sendungen -, die in Innenstadtlagen besonders rar und kostenintensiv sind. Darüber hinaus müssen operative Prozesse neu konzipiert und abgestimmt werden, um die Integration von Cargo-Bikes in bestehende Lieferketten effizient zu gestalten. All diese Faktoren erhöhen die Komplexität der Transformation.
Seit Ende 2023 stellt Hermes Germany in ganz Hamburg lokal emissionsfrei zu. Erstmals liefern wir damit Päckchen und Pakete in einer Millionenmetropole und sogar in einem ganzen Bundesland komplett elektrisch mit Elektrotransportern und Lastenrädern aus. Möglich ist dies durch die Umstellung der gesamten Last-Mile-Struktur und einen eigens installierten E-Mobility-Hub in der Billstraße im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort. Das zentral gelegene E-Mobility-Hub dient als größte Absprungbasis für die lokal CO2-freie Zustellung in der Hansestadt. Seit Ende 2024 ist außerdem ein elektrischer Wechselbrückenumsetzer am Hamburger Logistik-Center in Billbrook im Einsatz, sodass ein Teil der Sendungsmenge bereits vor der Letzten Meile emissionsfrei vom Logistik-Center zur Zustellbasis bewegt werden kann. Hermes Germany hat mit dem Leuchtturmprojekt die Strukturen geschaffen, um in Hamburg perspektivisch bis zu 12 Millionen Sendungen im Jahr rein elektrisch auszuliefern.
In Berlin beliefert Hermes Germany seit Mitte 2021 große Teile der Innenstadt lokal emissionsfrei mit E-Transportern und Lastenrädern. Das Gebiet wird sukzessive auf den inneren S-Bahn-Ring mit rund 680.000 Haushalten ausgeweitet. Der Paketlogistiker spart damit in etwa 600 Tonnen CO2 pro Jahr. Wichtiger Bestandteil der Mobilitätsstrategie „Green Delivery Berlin“ sind Cargo-Bikes. Lastenräder spielen ihre Vorteile vor allem in dicht besiedelten Gebieten mit viel Stau, Parkdruck und Zufahrtsbeschränkungen aus. Auch die rund 400 Hermes PaketShops in den entsprechenden Stadtteilen/Bezirken sind Teil von „-Green Delivery Berlin-“ und werden von E-Transportern angefahren.
In 2024 konnten wir 96 % aller Sendungen beim ersten Versuch zustellen und dadurch zusätzliche Anfahrten vermeiden. PaketShops tragen darüber hinaus weiter erheblich zum Klimaschutz bei: Da hier viele Sendungen konsolidiert zugestellt und gleichzeitig dort abgegebene Retouren mitgenommen werden, verursacht die gesammelte Zustellung an PaketShops durchschnittlich 25 % weniger CO2 als die Zustellung an die private Haustür – vorausgesetzt die Abholung findet zu Fuß, per Fahrrad oder entlang ohnehin getätigter Wege statt. Im gesamten Bundesgebiet verfügen wir mit rund 17.000 Hermes PaketShops über ein engmaschiges Netzwerk von Annahme- und Abgabestellen, die regional durch die Hermes Box ergänzt werden.
Hermes Germany arbeitet kontinuierlich an digitalen Tools, die das Zustellpersonal in seiner täglichen Arbeit unterstützen und die Zustellprozesse auf der Letzten Meile effizienter machen. So haben Zusteller*innen die Möglichkeit auf die Inhouse entwickelte Navigationslösung HERNAV (HERmes NAVigation) zurückzugreifen. Das Navigationstool ermöglicht es ihnen, ihre Touren durch optimale Routen und eine intelligente Navigation möglichst effizient und – falls sie noch nicht mit einem E-Fahrzeug unterwegs sein sollten – damit auch CO2-ärmer zu gestalten. In HERNAV fließt neben aktuellen Verkehrsdaten auch die vorab von den Zusteller*innen digital geplante Stoppreihenfolge ein. Zusätzlich enthalten sind mögliche nächste E-Ladepunkte.
Einen Einblick in den Praxiseinsatz eines elektrisch betriebenen 19-Tonners der Marke DAF aus dem Frühjahr 2023 gibt es hier. 2018 hat Hermes Germany als erster von 20 Kunden von Mercedes-Benz Trucks einen vollelektrischen, 25 Tonnen schweren Lkw des Modells eActros in Praxistests ein Jahr lang eingesetzt. Bereits 2017 hat Hermes in Stuttgart den vollelektrischen Fuso Canter E-Cell von Daimler Benz Trucks getestet und durch die Praxiserfahrungen zur Weiterentwicklung einer Kleinserie des E-Lkw beigetragen
Das Unternehmen setzt sich darüber hinaus auch mit anderen alternativen Antriebstechnologien sowie Kraftstoffen auseinander. Im Februar 2024 ist Hermes Germany in einen 48-monatigen Testbetrieb mit einem Wasserstoff-Lkw von Hyundai, bezogen über die Firma hylane, gestartet. Der Einsatz wird Hinweise darauf liefern, ob und wie H2-Lkw zukünftig effizient auf der Langen Strecke eingebunden werden können. Ein Zwischenfazit zum Test ist im Hermes Newsroom zu finden.
Für eine erfolgreiche Elektrifizierung auf der Letzten Meile und auf der Langen Strecke ist Ladeinfrastruktur zentral – sowohl im öffentlichen Raum bundesweit als auch an Logistikstandorten. An seinem Logistik-Center Langenhagen hat Hermes Germany 2025 ein innovatives und skalierbares Ladeinfrastruktursystem in Betrieb genommen, das seine ambitionierten Elektrifizierungsziele unterstützt: Das integrierte Lösungskonzept berücksichtigt die Ladezeiten und den Leistungsbedarf verschiedener Nutzergruppen – vom E-Transporter über den E-Lkw bis hin zu Flurverkehren. Die installierte Ladeleistung wird dynamisch verteilt und ist so ausgelegt, dass sie den aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Elektrofahrzeugflotte des Paketlogistikers gerecht wird. Zwei von zehn DC-Ladepunkten sind wassergekühlt, um hohe Leistungen für E-Lkw zur Verfügung zu stellen. Ergänzt wird die Schnellladeinfrastruktur durch weitere zehn AC-Ladepunkte. Um Netzlasten zu steuern, wurde ein intelligentes Energiemanagementsystem integriert. Dies ermöglicht eine effiziente Nutzung der verfügbaren Energie und minimiert die Auswirkungen auf das Stromnetz sowie entsprechende Kosten.